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Inmitten modernster Medizintechnologie und hochspezialisierter Behandlungsabläufe nimmt ein kleines Gremium im Krankenhaus eine zentrale Rolle ein: das Ethikkomitee. Der Expertenkreis stellt keine Diagnosen und führt keine Operationen durch – und doch geht es um Entscheidungen, die Leben tiefgreifend beeinflussen.
Das Klinische Ethikkomitee (KEK) der Standorte Aurich, Emden und Norden tagt regelmäßig und ist standortübergreifend tätig. Es setzt sich aus Ärztinnen und Ärzten, Pflegekräften, Seelsorgenden, Juristinnen und Juristen sowie Vertreterinnen und Vertretern des Sozialdienstes und der Krankenhausverwaltung zusammen. Das gemeinsame Ziel: ethisch schwierige Situationen im medizinischen Alltag von allen Seiten zu beleuchten und Entscheidungshilfen zu geben.
Das Ethikkomitee besteht aus 15 berufenen Mitgliedern aller drei Standorte aus den Berufsgruppen Pflege, ärztlicher Dienst, Sozialarbeit, Seelsorge, Verwaltung und Recht. Außerdem wurden 16 weitere Interessierte aus diesen Berufsgruppen als Stellvertreterinnen und Stellvertreter benannt.
Das Ethikkomitee bekennt sich bei seiner Arbeit ausdrücklich zu den etablierten ethischen Prinzipien: zum Respekt vor der Autonomie der Patientinnen und Patienten, zum Prinzip des „Nichtschadens“ sowie zur Fürsorge für Patientinnen, Patienten und Mitarbeitende und zur Gerechtigkeit hinsichtlich der Verteilung von zeitlichen, personellen und materiellen Gütern.
In regelmäßigen Abständen trifft sich das Ethikkomitee, um eingegangene Anfragen zu bearbeiten und im Bedarfsfall mit einem kleinen Fallberatungsteam auf die anfordernde Station zu kommen. Ziel ist ein respektvoller Dialog mit den Beteiligten, um den Verantwortlichen Entscheidungshilfen zu geben.
Alle an der stationären und ambulanten Patientenversorgung der drei Standorte beteiligten oder von ethischen Fragestellungen betroffenen Personen – insbesondere Mitarbeitende der Klinik, Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige (und gegebenenfalls Bevollmächtigte oder Betreuende) – können in ethischen Konfliktfällen eine Fallberatung beantragen.
Zu den weiteren Aufgaben zählen die Entwicklung von Verfahrensempfehlungen für wiederkehrende ethische Fragestellungen sowie das Angebot von Fort- und Weiterbildungen zu diesem Thema. Auch die anstehende Zusammenführung der drei Standorte zur Zentralklinik Ostfriesische Meere soll ethisch begleitet werden.
Ethik bezeichnet die philosophische Disziplin, die sich mit moralischem Handeln befasst. Sie fragt danach, was gut oder richtig ist, welche Werte und Normen menschliches Handeln leiten sollen und wie Konflikte zwischen verschiedenen moralischen Ansprüchen begründet entschieden werden können.
Ethik untersucht unter anderem: Maßstäbe für richtiges und falsches Handeln, die Verantwortung gegenüber anderen Menschen sowie die Begründung von Werten wie Würde, Gerechtigkeit und Freiheit.
Hier bezieht sich Ethik auf die moralisch verantwortliche Gestaltung von medizinischer Versorgung, Pflege und Organisation. Sie steht im Spannungsfeld zwischen medizinischen Möglichkeiten, rechtlichen Vorgaben, wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und menschlichen Bedürfnissen.
Jede Patientin und jeder Patient ist als Person mit eigenen Werten und Rechten zu respektieren.
Das Selbstbestimmungsrecht der Patientinnen und Patienten, zum Beispiel bei Therapieentscheidungen.
Handeln zum Wohl der Patientinnen und Patienten.
Vermeidung unnötigen Leids oder Schadens.
Fairer Umgang und gerechte Verteilung von Ressourcen.
Die Ethik im Krankenhaus soll helfen, ethische Konflikte zu erkennen, Entscheidungen transparent und begründbar zu treffen und die Zusammenarbeit zwischen medizinischem Personal, Pflege, Patientinnen, Patienten und Angehörigen zu unterstützen.
Unser Ethikkomitee tauscht sich mit etablierten und langjährig erfahrenen Fachleuten zum Thema klinische Ethik aus. Unter anderem besuchte unser Vorstand im Januar 2026 die Abteilung für Klinische Ethik am Universitätsspital Basel (Schweiz), einem der größten universitären Krankenhäuser der Schweiz. Die dortige Abteilung für Klinische Ethik, geleitet von Professor Dr. med. Dr. phil. Manuel Trachsel, bietet Ethikberatung, Komitee-Arbeit, Fortbildungen sowie Unterstützung bei komplexen medizinischen Entscheidungsprozessen. Unser Vorstand erhielt dort umfassende Einblicke in etablierte Strukturen, Arbeitsweisen und Entscheidungsprozesse der klinischen Ethik.
Zur Förderung der fachlichen Qualifikation und zum Aufbau tragfähiger professioneller Netzwerke erfolgte außerdem die Teilnahme an den Innsbrucker Ethiktagen. Dort konnte der international bekannte Medizinethiker Professor Dr. med. Ilhan Ilkilic als externer Berater gewonnen werden.